Tanzunterricht

Das lange Warten hat sich gelohnt. Das folgende einzigartige Angebot steht nun zur Verfügung:

  1. Ein aussergewöhnlich grosser Saal mit Parkettboden: Mit 200 m² haben Sie
    genügend Platz, um das Tanzbein zu schwingen!
  2. Keine Vorauszahlung des Kurses: Sie bezahlen nur, wenn Sie den Kurs auch tatsächlich
    besuchen!
  3. Günstiger Startpreis: Eine Lektion kostet nur CHF 20.- pro Person für eine Stunde
    Unterricht!
  4. Der Tanzunterricht findet unter Einhaltung der aktuellen Bestimmungen des BAG statt und somit gilt momentan keine Covid-Zertifikatspflicht!

Profitieren Sie von diesen einzigartigen Konditionen und tauchen Sie mit folgenden Kursen
(wieder) in die Tanzwelt ein:

Accordion Content
Machen Sie den ersten Schritt und entdecken Sie eine neue (Tanz-)Welt! Für den Einsteiger- Kurs werden keinerlei Vorkenntnisse benötigt. In diesem Kurs lernen Sie die Grundschritte folgender Tänze: Langsamer Walzer, Tango, Wiener Walzer, Cha-Cha-Cha, Jive und Disco- Fox.
DatumZeit
05.10.202119:45 – 20:45
12.10.202119:45 – 20:45
19.10.202119:45 – 20:45
26.10.202119:45 – 20:45
02.11.202119:45 – 20:45
09.11.202119:45 – 20:45
16.11.202119:45 – 20:45
23.11.202119:45 – 20:45
30.11.202119:45 – 20:45
07.12.202119:45 – 20:45
In diesem Kurs kommen als neue Tänze Samba und Slow Foxtrott hinzu. Zudem repetieren und lernen Sie weitere Figuren der bekannten Standard- und Latein-Tänze (d.h. langsamer Walzer, Tango, Wiener Walzer, Quickstep, Cha-Cha-Cha, Rumba und Jive).
DatumZeit
05.10.202121:00 – 22:00
12.10.202121:00 – 22:00
19.10.202121:00 – 22:00
26.10.202121:00 – 22:00
02.11.202121:00 – 22:00
09.11.202121:00 – 22:00
16.11.202121:00 – 22:00
23.11.202121:00 – 22:00
30.11.202121:00 – 22:00
07.12.202121:00 – 22:00
Nach längeren Tanzpausen ist dieser Kurs besonders empfehlenswert. Alle gelernten Figuren der 10 Standard- und Latein-Tänze werden wiederholt. Somit festigen Sie das Erlernte und durch weitere Verbesserungen der Haltung und der Technik wird die Basis für ein sicheres und stilvolles Tanzen gelegt.
DatumZeit
05.10.202118:30 – 19:30
12.10.202118:30 – 19:30
19.10.202118:30 – 19:30
26.10.202118:30 – 19:30
02.11.202118:30 – 19:30
09.11.202118:30 – 19:30
16.11.202118:30 – 19:30
23.11.202118:30 – 19:30
30.11.202118:30 – 19:30
07.12.202118:30 – 19:30

200 m2 großer Saal mit Parkettboden

Adresse:
Römisch-katholisches Pfarramt
Muttenzerstrasse 15
CH-4133 Pratteln
Schweiz

An der Rosenmattstrasse gibt es nur wenige Parkplatzmöglichkeiten.

Aus diesem Grund empfehle ich Ihnen die Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln:

  • Tram Nr. 14 bis Station „Pratteln Bahnhofstrasse“, dann knappe 5 Minuten zu Fuss.
  • Zug: S1 und S3 bis Bahnhof Pratteln, dann knappe 8 Minuten zu Fuss.
  • Ihre Anmeldung für den gesamten Kurs erfolgt schriftlich via Kontaktformular und ist
    verbindlich.
  • Die einzelnen Kurskosten sind jeweils vor Ort jeden Kursabend in bar zu bezahlen.

Geschichte der 10 Turniertänze

Quelle: Michael Scherer

Accordion Content

(3/4-Takt, ca. 30 Takte/Minute)

«Um die Jahrhundertwende 1900 wurde in Europa ein 1870 in Boston/USA entstandener Modetanz eingeführt, der Boston. Dieser Tanz löste den damaligen König der Tänze, den Wiener Walzer, in der Beliebtheit ab. Der Wiener Walzer war vom Figurenmaterial her gesehen schon immer eingeschränkt (bis Ende des 19. Jahrhunderts nur Rechtsdrehungen, dann erst Linksdrehungen und Übergangsschritte). Dies änderte sich mit dem Boston: Ebenfalls im 3/4-Takt gespielt, gewährte er den Tanzpaaren grösstmögliche Freiheit. Zwar existierten Grundschritte (3 Schritte vorwärts, 3 zurück, Drehungen, aussenseitliche Positionen, Zögerschritte), doch wurde der Fantasie in der Ausführung freien Lauf gelassen, was dem Drang der Jugend entsprach. Die Jugend von damals konnte sich mit den herkömmlichen Tänzen Wiener Walzer, Polka, Quadrille, Twostep etc. nicht mehr identifizieren und suchte im Boston ein neues Lebensgefühl durch Vorwärtsbewegung und freier Figurenverbindung zu finden.

Selbstverständlich setzte sich dieser neue Tanz nicht so ohne weiteres durch; Zitate: «Der Boston Américain ist eine Art eingeschlafener Walzer», «Die guten Walzertänzer nennen den Boston den Walzer der Dummen», «Der Tänzer presste beide Hände auf den Rücken der Dame dicht unter den Schulterblättern. Sie legte ihre Finger an die beiden Seiten seines hohen Stehkragens. Dann glitt das Paar auf dem Parkettboden dahin und beugte die Knie von Zeit zu Zeit so tief, dass sie beinahe den Erdboden berührten. Dabei fiel langsam der Kopf der Tänzerin auf die Brust des Tänzers».

Fälschlicherweise liest man immer wieder, dass der langsame Walzer aus eben diesem Boston entstanden sei. Es stimmt zwar, dass einige Figuren übernommen wurden (z.B. Outside Change), die Grundfiguren wie Rechts- und Linksdrehungen und Übergangsschritte stammen jedoch ursprünglich vom Wiener Walzer ab. Der Boston und der langsame Walzer sind sozusagen unabhängig voneinander aus derselben Wurzel (dem Wiener Walzer) entstanden.

Bis 1927 kreuzte man im langsamen Walzer bei den Linksdrehungen wie auch im Wiener Walzer den linken Fuss vor dem rechten Fuss, da man den langsamen Walzer noch nicht diagonal zur Wand begann. 1935 ergänzte Victor Silvester, einer der bekanntesten englischen Tanzlehrer der Anfangszeit, die bereits erwähnten Grundfiguren mit den noch heute beliebten Natural Spin Turn, Double Reverse Spin, Outside Spin, Impetus, Telemark u.a.»

(2/4-Takt, 33 – 34 Takte/Minute)

«Die Geschichte des Tango ist insofern verwirrend, da sich im 19. Jahrhundert in verschiedenen südamerikanischen Ländern Tänze unter diesem Namen bildeten (Uruguay, Brasilien, Cuba und Argentinien). Eine Gemeinsamkeit lässt sich jedoch finden: Alle diese Tänze wurden von Schwarzen getanzt, sodass deren Ursprung mit Sicherheit in Afrika zu suchen ist. Das Wort Tango erscheint 1808 zum ersten Mal in Montevideo. Auf Cuba wird das Wort für ein Negerfest verwendet. Im Jahre 1870 taucht in Montevideo wiederum der «Tango de la raza africana» auf. Tango bedeutete bald Trommel, Fest, Einzeltanz, erst später Paartanz.

Seit spätestens 1870 wurde die Habanera, ebenfalls ein afrocubanischer Tanz in Brasilien Tango genannt. Die Habanera hatte, wie auch die typischen brasilianischen Negerlieder und Tänze bereits den gleichen Rhythmus wie der heutige Tango.

Aus der Habanera entwickelte sich in den Hafenvierteln von Montevideo die Milonga mit erweiterten Schrittmustern. Die Vorwärtsbewegung wurde plötzlich unterbrochen und es entstand die Figur Corte = Schnitt vom spanischen cortar = abschneiden.

In Argentinien konnte sich der neue Tanz nicht auf Anhieb durchsetzen. Erst als sich gegen 1900 die volkstümlichen Kleinkunstbühnen von Buenos Aires der Milonga annahmen, wurde diesem Tanz der gewünschte Erfolg zuteil. Aus der wilden Milonga wurde der salonfähige Tango, aus dem frechen und leichtsinnigen Tanz ein eher schwermütiger, romantisch-sentimentaler Tanz.

In Paris wurde der Tango Argentino als neuer Gesellschaftstanz am Anfang des 20. Jahrhunderts begeistert aufgenommen (erstes Tangoturnier 1907 in Nizza). Es folgten Einladungen für die französischen Tangotänzer nach England, und 1912 gab es vor allem in London und Paris Tango-Parties, Tango-Teas, Tango-Soupers. In den Restaurants wurden zum ersten Mal Tanzflächen angeboten (Premiere dazu hatte das Savoy in London).

Wie zu erwarten war, wurde der Tango heftig bekämpft: Die englische Zeitung «Times» nannte ihn 1913 einen höchst unschicklichen Tanz, der deutsche Kaiser verbot ihn für seine Offiziere, der Papst ächtete den neuen Tanz. Grund für die Ablehnung des Tango waren nicht nur die Bewegungen sondern vor allem die Abstammung («Negertanz»). Da man ihn nicht verdrängen konnte, kam man auf eine Fülle von Ideen:

Es wurden Dichter damit beauftragt, die Ursprünge des Tangos bei den Griechen aufzuspüren. Als dies nicht gelang, versuchte man nachzuweisen, dass die argentinische Gesellschaft den Tango ablehnte, dass er nur privat in Häusern von schlechtem Ruf getanzt würde, dass Tangomusik für argentinische Ohren eigentlich ein Gräuel sei.

Alles nützte nichts: Wie bereits beim Wiener Walzer triumphierte auch diesmal das Neue über alle Moralisten und Konservativen. Auf verschiedenen Tanzlehrerkonferenzen in England von 1920 – 1929 wurde der Tango endgültig geformt und standardisiert und praktisch alle auch heute noch getanzten Grundschritte schriftlich formuliert. Auch der Papst hob sein Verbot auf, empfahl jedoch, statt des Tangos die Turlana zu tanzen, einem Volkstanz aus seiner venezianischen Heimat.»

(3/4-Takt, ca. 60 Takte/Minute)

«Erste Spuren des heutigen Wiener Walzers finden sich bereits im 12. Jahrhundert unter wechselnden Namen und zwar im alpinen, deutsch-österreichischen Raum. In den Anfängen benennt man ihn mit Schwäbisch, Steyrisch, Langaus, Plattler, Ländler, Schleifer, Deutscher. Dies waren ohne Ausnahmen Werbetänze mit fast identischen Schrittmustern.

Bis ins 15. Jahrhundert wurde auch noch recht gesittet getanzt, indem man zum Partner Distanz hielt, ab und zu die Hände berührte, der Tanz aus Werben, Umkreisen, Fliehen und Fangen bestand. Nur bei gemeinsamen Drehungen und am Ende als Höhepunkt hatten die Paare Körperkontakt. Mit der Zeit fanden die Tanzenden jedoch mehr Freude an eben diesem Körperkontakt: «Ihr Tanz war dieser. Sie nahmen das Frauenzimmer bei der Hand, die sie ihr zugleich küssten, legten sodann ihre Hand auf die Schulter der Dame, umfassten sie und drückten sie dermassen an sich, dass die Wangen zusammenkamen» (Montaigne, franz. Philosoph und Schriftsteller, 1580).

Kein Wunder, dass die Obrigkeit da einschreiten musste:

«Nachdem nit allein an einen Erbarn Rat gelangt, sondern auch öffentlich am Tage und vor Augen ist, welcher massen bei den Hochzeiten und anderen Tänzen Missbrauch gehalten, indem dass Frauen und Jungfrauen übermässig herum geschwungen und verdreht werden, da muss nit geringe Ärgernis und Nachrede erfolgen… so haben unsre Herren diesem unziemlichen Missbrauch nit länger zuschauen wollen, ernstlich gebietend, dass sich ein jeder, wes Standes er sei, bei allen Tänzen alles unzüchtigen Tanzens, dazu alles Herumbschwingens und Verdrehens, desgleichen allein in Hosen und Wams ohne darüber angetan Kleid zu tanzen, sich gänzlich enthalten soll» (Rat der Stadt Nürnberg 1550).

«Die Tänze soll man halten wie von alters her, züchtig und ehrlich, ohne Verdrehen, Umschlingen und andere böse Geberden. Das Schleudern und Verdrehen wird bei einer Mark Strafe verboten» (Magdeburg 1544).

«Frauen und Jungfrauen sollen sich züchtig am Tanz zeigen, und die Mannspersonen sich des Verdrehens und anderer Leichtfertigkeiten enthalten. Welcher Mann Frauen und Jungfrauen verdrehen und aufwerfen wird, der soll gefänglich eingezogen werden und um 20 Gulden Strafe bestraft werden» (Belgern an der Elbe 1572).

Was der Obrigkeit jedoch trotz diesen Verboten und Strafandrohungen nicht gelang, schaffte die Kirche: Die vorübergehende Verdrängung des Walzers. Luther zeigte sich noch mässig: «Man fraget, ob das Tanzen, von welchem viel Böses herzukommen scheint, unter die Sünden zu rechnen sei. Ob es bei den Juden üblich gewesen, weiss ich nicht. Weil es aber bei uns, wie das Gästeeinladen, sich mit Kleidern schmücken, essen, trinken und fröhlich sein, Landessitte und gebräuchlich ist, weiss ich es nicht zu verdammen, wenn es nur nicht übermässig und unzüchtig geschieht. Dass aber Sünden und Laster dabei vorgehen, ist nicht dem Tanz, sondern den unordentlichen Begierden der Tanzenden zuzuschreiben. Gleichwie es auch nicht des Essens und Trinkens Schuld ist, dass etliche darüber zu Säuen werden.»

Andere Geistliche fuhren grosses Geschütz auf:

«Tanzen ist nichts anderes denn eine Bewegung zur Geilheit, ein Spiel, das allen Frommen übel ansteht, vom lebendigen Teufel, Gott zur Schmach, erfunden… Das wüste Umlaufen, das unzüchtige Drehen, Greifen und Maullecken ist Sünde…» («Ehespiegel» von Prediger Spangenberg, Strassburg 1528 – 1604).

«Da begreifet man Frauen und Jungfrauen mit unkeuschen Händen, man küsst einander mit hurischem Umfangen, und die Glieder, welche die Natur verborgen hat, entblösst oft Geilheit. Wo geschieht mehr Übermut, Trutz, Mord, Verachtung denn eben im Tanz? Tanzen ist eine Übung, nit vom Himmel kommen, sondern von dem Teufel erfunden… Man betrachte doch das Tummeln, das Herumschweifen, das Auswerfen der Beine, das Hintersichlaufen, danach Vorlaufen, sich wie ein Rad drehen, die Erde mit den Füssen klopfen, wie ein Kreisel herumhaspeln und wirbeln…» («Vom Tanzen» von Pfarrer Melchior Ambach, Frankfurt am Main 1545).

«Tanzen ist eine unflätige Bewegung und ein schändliches Schauspiel. Tanzen ist Sünde. Tanzen ist ein Haufen Unreinigkeit. Tanzen ist ein fauler Baum. Tanzen ist Bosheit und eitel Finsternis, ist eine böse Lust. Tanzen ist ein schändlicher und ehrloser Missbrauch. Tanzen ist ein satanischer Aufzug» («Tanzteufel» von Theologe J.L. Hartmann 1677).

Wie man sich aufgrund der Zitate unschwer vorstellen kann, wurde der damalige Walzer im Gegensatz zum heutigen wild und heftig getanzt (beim Schuhplattler fliegen auch heute noch die Mädchen und deren Röcke in die Höhe), sodass es die geistlichen Herren relativ leicht hatten, die zumeist frommen Menschen von der Schädlichkeit solchen Treibens zu überzeugen.

Bis 1770 herrschte Ruhe, dann aber brach die Zeit des eigentlichen Siegeszuges des Walzers an. Die in diesen Jahren lebenden Menschen waren von Herz, Gefühl und Leidenschaft erfüllt und suchten den Rausch und die ungebundene Bewegung, die sie im Walzer fanden:

«Wenn das Paar sich eng umschlingt, Knie an Knie, Brust an Brust, Aug in Auge, die Hand des Mädchens auf schwellenden runden Hüften, wenn ihn der reine Atem der Schönen anweht, wenn man an den heissen Wangen die Wärme fühlt und ein Herz dem andern entgegenklopft, muss da nicht Phantasie und Sinnlichkeit rege werden?»

Goethe lernte den Walzer in Strassburg kennen und schreibt dazu in seiner Autobiographie «Dichtung und Wahrheit»:

«Während meines Aufenthaltes in Frankfurt war ich von solchen Freuden ganz abgeschnitten; aber in Strassburg regte sich bald, mit der übrigen Lebenslust, die Taktfähigkeit meiner Glieder. An Sonn- und Werkeltagen schlenderte man an keinem Lustort vorbei, ohne daselbst einen fröhlichen Haufen zum Tanze versammelt, und zwar meistens im Kreise drehend zu finden. Ingleichen waren auf den Landhäusern Privatbälle… Hier wäre ich nun freilich nicht an meinem Platz und der Gesellschaft unnütz gewesen; da riet mir ein Freund, der sehr gut walzte, mich erst in minder guter Gesellschaft zu üben, damit ich hernach in der besten etwas gelten könnte. Er brachte mich zu einem Tanzmeister… Der Unterricht dieses Lehrers erleichterte jedoch ein Umstand gar sehr: er hatte nämlich zwei Töchter, beide sehr artig, sprachen nur französisch, und ich nahm mich von meiner Seite zusammen, um vor ihnen nicht linkisch und lächerlich zu erscheinen. Ich hatte das Glück, dass auch sie mich lobten, immer willig waren, nach der kleinen Geige des Vaters ein Menuett zu tanzen, ja sogar, was ihnen freilich beschwerlicher ward, mir nach und nach das Walzen und Drehen einzulernen… Die Hoffnung der Gesellschaft auf Musik wurde endlich befriedigt, sie liess sich hören und alles eilte zum Tanz. Die Allemanden, das Walzen und Drehen war Anfang, Mitte und Ende. Alle waren zu diesem Nationaltanz aufgewachsen; ich auch machte meinen geheimen Lehrmeisterinnen Ehre genug, und Friederike, welche tanzte wie sie ging, sprach und lief, war sehr erfreut, an mir einen geübten Partner zu finden.»

Damals war es üblich, lange und ununterbrochen in rasendem Tempo Walzer zu tanzen, sodass nicht wenige Mädchen in Ohnmacht fielen, was wiederum zu einigen Verboten, diesmal aus medizinischer Sicht, führte. 1797 schrieb Salomo Jakob Wolf eine «Erörterung der wichtigsten Ursachen der Schwäche unserer Generation in Hinsicht auf das Walzen und der Beweis, dass das Walzen eine Hauptquelle der Schwäche des Körpers und des Geistes unserer Generation sei».

Berühmt geworden sind Byrons Gedicht gegen den Walzer und der Herzog von Devonshire, der keine Dame heiraten wollte, die Walzer tanzte (er blieb ledig).

Im Verlauf des 18. Jahrhunderts steigerte sich das Tempo der gespielten Wiener Walzer immer mehr und gipfelte um 1900 in 100 Takten pro Minute (der heutige Turnierwalzer hat etwa 60 Takte pro Minute). Bei diesem Tempo war nur noch die Zweischrittform möglich. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Wiener Walzer für einige Zeit gänzlich durch viele neue Tänze verdrängt.

Zwei Tanzlehrer sorgten für die Wiederbelebung des in Vergessenheit geratenen Wiener Walzers: Der Österreicher Karl von Mirkowitsch (wie viele andere kaiserlich-königliche Offiziere nach dem 1. Weltkrieg Tanzlehrer geworden) und der Deutsche Paul Krebs, der in den 50er-Jahren die moderne Technik zum Wiener Walzer schrieb und den Tanz im April 1951 in England vorführte. 1938 bereits ins internationale Turnierprogramm aufgenommen, konnte sich der Wiener Walzer bei den Engländern jedoch trotz aller Bemühungen nicht durchsetzen und wird nur höchst selten an Turnieren getanzt. Ausnahmen sind z.B. die United Kingdom und die International Championships (an diesen Turnieren wird der Wiener Walzer dann als letzter Tanz nach dem Quickstep getanzt). An den Open British Championships in Blackpool kommen «nur» Waltz (langsamer Walzer), Foxtrot (Slowfox), Tango und Quickstep (in dieser Reihenfolge – sehr angenehm) vor, was das Erküren eines Champions erschweren kann (bei Punktegleichheit zweier Paare in vier Tänzen). Trotzdem gibt es seit einiger Zeit auch unter vielen englischen Trainern und Paaren das Bestreben, sich mit dem Wiener Walzer auseinander zusetzen und dies nicht nur deshalb, weil dieser Tanz Bestandteil von Welt- und Europameisterschaften und allen anderen Turnieren ‹on the continent› oder ‹abroad› ist.»

(4/4-Takt, ca. 30 Takte/Minute)

«Kein anderer kann die Entstehung des Slow Foxtrot besser beschreiben als Heinz Pollack, der als Zeitzeuge 1922 folgendes über den Slow Foxtrot schrieb:

«Raffiniertes Ragout: Fox-trot hat – so merkwürdig das klingen mag – keinen eigenen Rhythmus. Fox-trot-Musik war ursprünglich nichts weiter als ein etwas langsamer gespielter Rag-time. Die Synkope feierte Orgien. Doch plötzlich waren Synkopen, Triolen und Läufe verschwunden, und auf der Bildfläche erschienen sanfte, ruhige, schwermütige, exotisch-eintönige Weisen, die grenzenloses Staunen hervorriefen. Diese Metamorphose war verblüffend. Was war geschehen? Dieses: Des einfachen Rag-time-Rhythmus müde, kochte man aus One-step-, Boston- und Tango-Abfällen, vermischt mit Rag-time-Zutaten, ein äusserst raffiniertes Ragout. Obgleich nur aus alten Mitteln hergestellt, gewürzt, gewendet und geschickt verarbeitet, mundete es sehr schnell selbst dem verwöhntesten Gaumen. Jetzt haben wir diese neuen Fox-trot-Noten, die durch die Verbindung aller Stilarten etwas verschwommene Konturen haben. Dass die neuere Fox-trot-Musik so überaus melodisch ist, liegt sicherlich an diesem fast lässigen Rhythmus, der der ungehemmten Entfaltung der Melodie alle Wege ebnet. Ob sich sein verwässerter Rhythmus auf die Dauer halten wird, ist schwer vorauszusagen. Da jedoch die Musik so überaus reizvoll ist und in stetem Wechsel immer neue Nuancen und Variationen entstehen lässt, besteht wohl vorläufig keine Gefahr, dass sie verschwindet.»»

Und Reinhold Sommer schrieb in seiner «Theorie der Gesellschaftstänze» 1924:

«»Der neue ‹Double Fox›: Neu? Nein, absolut nicht. Aber sehr schön. Langsames Tempo, doppelt so langsam wie beim einfachen Foxtrot. Daher der Name ‹Double›-Fox. Der Tanz selbst ist ein Gemisch von einfachem Gehen vorwärts, durch Pausen häufig unterbrochen, in denen der rechte oder linke Fuss gleichsam ‹fühlend› zwei oder dreimal vorgesetzt wird, um mit Übernahme der Körperlast die weitere Vorwärtsbewegung einzuleiten. Ein paar kleine Laufschritte bringen in den ruhigen, rhythmischen Gang zuweilen eine lebhaftere Note. Seitliche Schritte mit Anschlagen, ähnlich den oben beschriebenen, sind auch da, einfaches Wenden in Linksdrehung und Weitergehen in der Tanzbahn rückwärts bieten gleichfalls angenehme Abwechslung. Wie denn überhaupt vorläufig jeder macht was er will. Es ist nichts Feststehendes was ich beschreibe, es ist ein Suchen, ein Tasten, ein intensives Arbeiten an neuen tänzerischen Ausdrucksformen. Schwer ist dieser Tanz. Er erfordert neben absoluter Beherrschung des Körpers eine tadellose Haltung und muss mit Grazie und einer besonderen Hingebung an die musikalische Idee ausgeführt werden. Er erfordert innere und äussere Beherrschung in hohem Masse, drum sei er uns als Bildungsmittel willkommen.»

Alle Quellen sind sich darin einig, dass sich der Slow Foxtrot aus dem Ragtime und amerikanischer Marschmusik entwickelte. Das oben erwähnte «nichts Feststehende» wurde von den Engländern, wie bei den anderen Tänzen auch, schnell geändert, und 1915 fand trotz Krieg in London der erste reine Foxtrot-Ball statt (erstes Turnier 1920).

Aufgrund der Schwierigkeit und der Bewegungsintensität des Slow Foxtrot wird dieser Tanz in den meisten Tanzschulen, wenn überhaupt, erst sehr spät unterrichtet, was dem späteren Niveau auf Turnierstufe auch nicht unbedingt förderlich ist.»

(4/4-Takt, ca. 50 Takte/Minute)

«Nachdem um 1920 der Slow Foxtrot in seinen Grundfiguren «beherrscht» wurde, suchten die Paare nach neuen Herausforderungen in diesem Tanz, die sie in Form von massiv gesteigertem Tempo zu finden hofften. Diesem Wunsche folgend, spielten die Orchester nach und nach immer schnellere Musik, sodass sie am Ende von den ursprünglichen und auch heute noch gültigen 30 Takten pro Minute bei 50 Takten angelangt waren. Dass dieses Tempo eine schöne Ausführung der grossen, offenen Slow Foxtrot-Figuren verunmöglichte, versteht sich von selbst. Führende englische Tanzlehrer empfahlen deshalb 1924, anstelle des Dreierschrittes einen einfachen Gehschritt auszuführen und die schnellere Version des Slow Foxtrot Quickstep zu nennen.

Bevor sich dieser «neue» Tanz jedoch durchsetzen konnte, brach 1925, sehr zum Unwillen der Engländer, der Charlestonrausch aus. Unwillen deshalb, weil der englische Stil ein schwungvolles Sich-im-Raum-Fortbewegen anstrebte, der Charleston hingegen stationär getanzt wurde. Doch für fast alles gibt es eine Lösung, und die englischen Tanzlehrer veränderten den stationären Charleston in einen progressiven ohne Kicks. Dann wurde das Ganze mit dem schnellen Foxtrot vermischt und kurze Zeit «Quicktime Foxtrot and Charleston» genannt.

1927 fielen die Charleston-Bewegungen allmählich ganz weg, und bei der grossen Tanzlehrerkonferenz 1929 in England wurden der Slow Foxtrot und der Quickstep in zwei eigenständige Tänze getrennt. Zu den anfänglich getanzten Quarter Turns (Vierteldrehungen) und Chasses kamen bereits anfangs der 30er-Jahre u.a. Natural Pivot Turn, Natural Spin Turn, Double Reverse Spin und Fish-Tail hinzu.

Zeitzeugen schrieben über den Slow Foxtrot und den Quickstep:

Der Foxtrot sieht sehr einfach aus, ist aber in Wirklichkeit sehr schwer zu tanzen. ‹Jeder weiss›, sagt Alex Moore, ‹dass ein wirklich freifliessender Federschritt, Dreierschritt und eine Rechtsdrehung schwerer zu tanzen sind als eine der raffiniertesten modernsten Variationen›. Nur die wirklichen Kenner wissen die königliche Eleganz, die noble Schönheit des Foxtrots zu schätzen. Das Publikum spendet ihm im allgemeinen weniger Beifall als etwa dem Quickstep. Der Foxtrot drängt sich nicht auf, er kennt keine raffinierten Tricks. Er ist vornehm und lässig wie ein englischer Gentleman. Das Understatement, das Nicht-Auffallen, gehört zu seiner Eigenart.

Der Quickstep hat nichts von Würde an sich, er ist leicht, übermütig und voll prächtiger Laune. Er ist daher auch der Liebling des Publikums. Wendiger als der Foxtrot, ist er viel eher bereit, Anregungen von allen Seiten aufzunehmen. Im Gegensatz zum vornehmen Foxtrot kleidet sich der Quickstep gern modisch, ohne allerdings sein Wesen wirklich zu wandeln. Der Grundschritt ist und bleibt das Chasse, die geschlossenen Füsse in der Bewegung. Das gleichmässige Gleiten fehlt, und manchmal gibt es ganz ausgesprochen lustige, perlende, hüpfende Schritte. Dennoch muss auch der Quickstep stets flüssig getanzt werden. Er kennt keine Pausen und wirkt daher niemals abgehackt oder ruckartig. Auch die Quicks, etwa in den Chasses, müssen fast etwas zögernd und lässig gebracht werden, ohne dass der Quickstep dabei seine kecke, sprühende Lebendigkeit verliert.

Der Quickstep verzaubert, berauscht und beschwingt, aber er verliert nie seinen Fluss, seine Form. Der Quickstep lockert und befreit, aber er entfesselt nicht. Er ist heiter und lustig, aber niemals vulgär. Der Slow Foxtrot ist konservativ, der Quickstep liebt den new look. Die Named Variations haben durchaus modische Figuren, die das Publikum zur Begeisterung hinreissen. Die Orthodoxen haben um 1948 diese Figuren als unvereinbar mit dem Englischen Stil abgelehnt. Es gibt etwa, um nur ein Beispiel zu nennen, die raffinierte Verbindung von Checked Lock (Abgefangener Kreuzschritt) und Tipsy (tipsy heisst beschwipst; die Figur Tipsy besteht aus ganz schnellen Quicks zu je einem Achtel des Taktes anstatt der normalen Quicks zu je einem Viertel). Der Gegensatz von Checked Lock und Tipsy – langsam und schnell – wirkt ausgesprochen lustig. Derartige Figuren sind wie das lachende Leben selbst, das der Quickstep verkörpert.»»

(2/4-Takt, ca. 50 Takte/Minute)

«Brasilien war einst eine portugiesische Kolonie (seit 1822 unabhängig), in die, wie in alle anderen europäischen Kolonien, Tausende von Sklaven aus Afrika überführt wurden. Ein grosser Teil stammte dabei vom Yoruba-Volk (s. auch Rumba) und von Bantuvölkern vom Kongo und aus Angola. Alle diese Völker feierten kultische Feste, die sich über Stunden und Tage hinzogen und primär mit Tanzen verbunden waren, dessen Ziel wiederum die Ekstase war. Aus solchen Tänzen ist die Samba entstanden. Samba ist, wie Rumba, ein Sammelname für viele Tanzarten.

In Brasilien vermischten sich im 17. und 18. Jahrhundert die afrikanischen Reigentänze mit den portugiesischen Einzel-Paartänzen und kamen vor 1910 mit einem Tanz, der Maxixe, in dieser Mischform erstmals nach Europa. 1924 folgte die Samba und wurde vorübergehend auch in Turniere aufgenommen. Da die Bewegungen und Rhythmen für die damalige Zeit aber offenbar noch zu vielfältig und komplex waren, konnte sie sich nur bis 1925 halten.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Samba 1948/49 in einer vereinfachten Form weltweit populär (2-Schritt-Samba mit Tippschritt = Schritt vorwärts, Tap vorwärts, Schritt rückwärts, Tap rückwärts, im Gegensatz zum heutigen 6-Schritt-Muster – beides über 2 Takte), in der Folge für den Turniertanz weiterentwickelt und 1959 definitiv ins Turnierprogramm aufgenommen. Durch die vielen Veränderungen, Kulturvermischungen und Verfeinerungen hat die heutige Gesellschafts-und Turniersamba mit der ursprünglichen Samba jedoch nicht mehr viel gemeinsam.»

(4/4-Takt, ca. 30 Takte/Minute)

«Wie die Rumba stammt auch der Cha Cha Cha ursprünglich aus Kuba. Dort entstand er in den 50er-Jahren anstelle des sehr schnell gespielten Mambos, der sich nicht durchsetzen konnte. Anfänglich hiess der Cha Cha Cha aufgrund dieser musikalischen Ableitung Mambo-Cha Cha Cha. Doch schnell reduzierte sich der Name auf das heute gültige Cha Cha Cha, auch weil das Wort selbst rhythmischer Bestandteil der Musik ist (4 + 1 = Cha Cha Cha).

Vom Figurenmaterial her gesehen wurden sehr viele Elemente aus anderen Tänzen übernommen, wobei die Rumba anfänglich Hauptpatin war (Fan, Hockey Stick, Hand to Hand, Alemana etc.). Später gesellten sich Figuren aus Beat und Disco hinzu.

Da der Cha Cha Cha ein fröhlich ausgelassener Tanz ist, der anfänglich keine grossen Ansprüche an die Tänzer stellt (eine grosse Erleichterung für viele war die Tatsache, dass im Gegensatz zur Rumba im Cha Cha Cha auf 1 ein Schritt getanzt wird), wurde er Mitte der 50er-Jahre über Nordamerika kommend schnell zum beliebtesten Modetanz. Kein Wunder also, dass er 1961 ins internationale Turnierprogramm aufgenommen wurde und bis heute weltweit populär geblieben ist.

Bis in die 70er-Jahre wurde der Cha Cha Cha in heute nicht mehr denkbarer Art und Weise interpretiert, Zitat H. Günther und H. Schäfer: «Auch der Cha Cha Cha muss als erotisches Spiel getanzt werden. Aber im Gegensatz zur feurigen Rumba ist der Cha Cha Cha nur ein amüsanter, koketter Flirt. Man bindet sich nicht, man gefällt sich, man ist entzückt voneinander, man spielt, man brilliert – alles ohne Ernst, ohne Passion, ohne Erregung. Keck, fröhlich, perlend wie Sekt ist der Cha Cha Cha. Diese übermütige Natur des neuen Tanzes kommt schon in der Musik zum Ausdruck. Daher hat auch der Tanz eine Fülle von brillanten Figuren. Man darf die Beine in die Höhe werfen, man klatscht in die Hände, hüpft und stösst den Partner leicht mit dem Finger, man spielt Pinguin mit den Händen und Hüften, trennt sich und droht mit den Fingern und Augen. Aber ebenso rasch wie zur Trennung kommt es wieder zur Vereinigung. Nichts ist von Dauer, alles ist flüchtig und offen. Der Cha Cha Cha ist ein immer wechselndes, flüssiges Spiel mi t Fliegen und Haschen, mit Kreisen und Fliehen. Beine, Arme, Hände und Finger, der ganze Körper, sogar die Augen sind in ständiger Bewegung. So müssen auch die Figuren getanzt werden.» Wie schnell die Zeiten ändern.»

(4/4-Takt, ca. 27 Takte/Minute)

«Rumba, die Rumba, was ist das? «Mein Lieblingstanz unter den lateinamerikanischen Tänzen, keine Frage» sagen die einen, «Das ist der mit dem schwierigen Takt, den ich nie höre, den mag ich nicht» die anderen. Dass die Rumba ein Werbetanz ist, im 4/4-Takt bei ca. 28 Takten pro Minute gespielt wird und somit zu den langsamen Tänzen zählt, wissen die meisten.

Ursprünglich war das Wort Rumba ein Sammelname für viele kubanische Paartänze des 18. und 19. Jahrhunderts und bedeutete soviel wie Zusammenkunft, Fest, Tanz. Kuba wurde 1492 von Kolumbus entdeckt, «gehörte» von da an den Spaniern, die bald darauf einen regen Sklavenhandel betrieben. Die importierten Sklaven stammten alle vom westafrikanischen Volk Yoruba (heutiges Nigeria), einem hochkultivierten, musik- und tanzbegabten Volk, das in der Folge auf Kuba eine der bedeutendsten Tanz- und Musikkulturen der Erde schuf.

1882 wurde die Rumba als eigenständiger Tanz erstmals in einem Gedicht erwähnt, kam 1930 nach New York und von dort aus nach Europa. Von 1932-1934 wurde sie als sechster Standardtanz ins Turnierprogramm aufgenommen, konnte sich aber noch nicht durchsetzen, u.a. deshalb nicht, weil die meisten Tänzer sie als eine Art Foxtrott mit Hüftgewackel empfanden (viele Orchester verwendeten auch artfremde Instrumente wie Geigen etc. für ihre Rumba-Stücke). In Deutschland wurde die Rumba kurz nach der Machtergreifung des Hitler-Regimes verboten.

1945 wiederentdeckt, entbrannte in den fünfziger Jahren ein heftiger Streit um die richtigen Grundschritte der Rumba (der sogenannte Rumba-Krieg). Auf der einen Seite war von den USA die Square-Rumba (Carré) nach Europa gekommen (vom Franzosen Lucien David standardisiert), auf der anderen Seite hatten der in London lebende Franzose Pierre Lafitte (meist nur Pierre genannt) und seine Partnerin Doris Lavelle ihren eigenen Rumbastil entwickelt (Cuban Style). Zunächst wurde entschieden, dass die Rumba auf zwei verschiedenen Grundschritten aufgebaut sein kann. 1961 beschlossen die Engländer jedoch für ihre Turnierpaare die kubanische Rumba, was 1964 mit der Erstausgabe von Walter Lairds Latein-Technik international akzeptiert wurde.»

(2/4-Takt, 60 – 62 Takte/Minute)

«1790 gab es in Frankreich einen Infanteriemarsch namens «Pas redoublé». Dieser Marsch, in Spanien auch als «El Soleo» bekannt, wurde wie alle Märsche im 2/4-Takt gespielt (jeder zweite Schritt betont) mit ca. 130 Schritten pro Minute. Zu deutsch heisst Paso Doble Doppelschritt. Es wird vermutet, dass der erwähnte Marsch u.a. beim Einzug der Toreros in die Stierkampfarena gespielt worden ist. Die Regeln und Rituale des Stierkampfes wurden im 18. Jahrhundert in Andalusien festgelegt, und 1910 entstand daraus in Frankreich der Paso Doble zuerst als Stierkampf-Pantomime, dann als eigenständiger Tanz (daher auch die französischen Figurennamen).

Der Paso Doble hebt sich insbesondere durch die Musik, die Haltung, die fehlenden Hüftbewegungen und die Fusstechnik von den anderen lateinamerikanischen Tänzen ab. Ein Paso Doble-Musikstück baut sich auf aus einer Einleitung und drei Hauptteilen mit genau festgelegten Höhepunkten. Evelyn Hörmann, eine bekannte deutsche Tanztrainerin, sagt zum Paso Doble:

«Der Paso Doble ist bekanntlich der Tanz des Herrn. Turnierleiter pflegen das Publikum darüber zu informieren, dass die Dame ’nur› das rote Tuch ist, mit dem der Torero den imaginären Stier reizt und täuscht. Dass sie hier ganz entschieden die zweite Geige spielt, gibt die Dame u.a. schon durch ihre etwas gesenkte Kopfhaltung zu erkennen. Beim genauen Hinsehen sind aber eine Menge von Bewegungen zu beobachten, bei denen sich die Dame ganz emanzipiert benimmt und, vor allem in den Flamenco-Schritten spiegelbildlich das gleiche tut wie der Herr. Die Auseinandersetzung zwischen Torero (Symbol der geistig-menschlichen Geschicklichkeit) und Stier (Symbol der tierischen Kraft) macht auch nur einen Teil des Stierkampfes aus. Es passiert beim echten Stierkampf schon eine Menge, bevor der Stier überhaupt in die Arena kommt, und es passiert noch viel mehr, bis der Torero in Kontakt mit dem Stier tritt. Viel Tänzerisches ist im ‹Spiel›, wenn der Torero sich ausführlich dem Publikum präsentiert und wenn die Picadores und die Banderillos den Stier umkreisen. Das heisst, gerade dann, wenn wir den Paso Doble ganz strikt als Tanz auffassen, der aus dem Geist des Stierkampfes heraus geboren wurde, brauchen wir auf dem Parkett durchaus nicht ständig das Gefühl zu haben, mit einem Stier zu kämpfen.»»

(4/4-Takt, ca. 44 Takte/Minute)

«Eigentlich müsste es heissen: latein-amerikanische und amerikanische Tänze, hat der Jive mit Lateinamerika doch nichts gemeinsam. Genau aus diesem Grund nannte man in England die lateinamerikanischen Tänze früher «latin and american dances». Einzig die Musik verrät beim Jive mit ihrer Off-Beat-Betonung auf 2 und 4 einen gemeinsamen Ursprung mit anderen lateinamerikanischen Tänzen; dieser gemeinsame Ursprung liegt jedoch in Afrika.

Wie bei vielen Tänzen, hat sich der Jive im Verlauf der Zeit aus anderen Tänzen entwickelt. Aus dem Blues der Jahrhundertwende entwickelte sich in den 30er-Jahren, mit Jazzelementen vermischt, der Boogie-Woogie mit seiner gleichbleibenden Bassbegleitung der linken Hand (Klavier). Nachdem sowohl der Blues wie auch der Boogie-Woogie anfänglich nur von Schwarzen ausgeführt wurde, verhalfen Tommy Dorsey und seine Bigband 1938 dem Boogie-Woogie zum Durchbruch. Aus dem Boogie-Woogie-Rhythmus entstand 1940 der Jitterbug, der im 2. Weltkrieg dank den amerikanischen Soldaten nach Europa kam. In England wurde aus dem Jitterbug der Jive entwickelt und erlebte dort 1944 einen ersten Höhepunkt vor allem unter Teenagern.

Nach dem Krieg wurde der Jive vielerorts verboten (z.B. in England 1949), konnte jedoch in seinem Triumphzug nicht aufgehalten werden. In den 50er-Jahren folgte die Rock’n’Roll-Welle mit u.a. Bill Haley, worauf sich die Generationen noch mehr auseinander lebten. 1955 wurden die Verbotstafeln in England («No Jive allowed») durch andere ersetzt: «No Jive allowed except during Rumbas and Sambas» (Jive verboten ausser während Rumbas und Sambas), was für ein Fortschritt! Nachdem sich der Rock’n’Roll als noch wilder erwiesen hatte, war die Akzeptanz für den Jive weiter gestiegen und er wurde Ende der 60er-Jahre als 5. Tanz bei den Profi-Turnieren eingeführt und 1976 bei den Amateuren.»

scroll-up